Vom Laufen und Stolpern

In meinem letzten Blog schrieb ich, dass ich glücklich bin, obwohl das Leben gerade kein ständiges Picknick im Park ist. Meine Mentorin gab mir ein Bild, das mir noch besser gefällt. Sie sprach von neuen Räumen, die sich gerade geöffnet haben, und die ich jetzt gerade betrete ohne so recht zu wissen, was die Gesetzmäßigkeiten dieser Räume sind. Es ist ein sehr gutes Bild, denn im Moment erlebe ich mal wieder extreme Gefühlsschwankungen. Das ist eben das mangelnde Wissen über diese neuen Räume und das Austesten, was irgendwie nach dem Zufallsprinzip funktinoert. Dabei stoße ich manchmal eben auf Gold, und alles funktioniert einfach von selbst, und manchmal … ja, manchmal finde ich etwas anderes und es lässt sich nicht voraussagen, was wo ist.

Nachdem ich diesen letzten Blogbeitrag geschrieben hatte, fühlte ich mich so voller Leben und Energie, dass alles zu schwingen schien. Ich kenne Gefühl, es ist nicht einfach Euphorie, so fühlt es sich an, wenn ich im Zentrum meines Seins bin, wenn ich so sehr ich bin, wie es nur geht. Doch an diesem Punkt bin ich immer noch nicht daran gewöhnt, ständig so voll und ganz ich zu sein. Es gibt immer noch diesen Teil, der daran zweifelt, und der im Grunde nur darauf wartet, dass etwas auftaucht, das er mir als Beweis unter die Nase halten kann, dass das alles nicht echt ist. Wenn man auf so etwas wartet, dann findet man es natürlich auch. Und von dort ist es nur noch ein kleiner Schritt, um in andere alte Gewohnheiten zurückzufallen. Wie sich selbst zu kritisieren, alles zu analysieren, was man “falsch” gemacht hat, wie man es hätte verhindern können, blablabla …

Heute Morgen beschäftigten mich die Fragen, wann sich die Dinge gestern verschoben haben, was der Auslöser gewesen war, was ich hätte tun sollen und wie ich heute wieder “nach oben” zurückkehren könnte. Dann fiel mir auf, dass das ein bisschen ist, wie ein Kind in die Ecke zu stellen, wenn es “ungezogen” war, und ihm zu sagen, dass es sich bessern müsse, um aus dieser Ecke heraus gelassen zu werden. Ich habe zwar keine Kinder, aber irgendwie glaube ich nicht, dass dieser Erziehungsstil tatsächlich funktioniert. Und wenn ich das doch glaube, wie um alles in der Welt komme ich auf die Idee, dass das bei mir oder irgendjemandem funktionieren könnte?!

Ich erinnerte mich daran, woran ich glaube: dass die Lösung, um “nach oben” zu kommen, immer darin besteht, die richtige Perspektive zu finden. Ich kehrte zu Irkas Analogie zurück, dass ich neue Räume betreten habe. Und ich erinnerte mich, wie ich ihr geantwortet hatte, dass ich das Gefühl hatte, meine ersten Schritte auf diesem Planeten zu machen, obwohl ich weiß, dass ich technisch gesehen schon über 30 Jahre lang hier herumlaufe.

Und da war sie, die Antwort: Wenn du als Kind das Laufen lernst, dann tust du es nicht, indem du analysierst, was du falsch machst, wenn du fällst. Du lernst zu laufen indem du es tust und indem du einfach stur darauf beharrst zu laufen, egal wie oft du fällst. Und plötzlich ist meine Perspektive nicht mehr: “Ach Mann, schon wieder gefallen, wann hörst du damit endlich auf?!” Stattdessen finde ich auf einmal, dass wir unser Stolpern viel mehr feiern sollten. Es bedeutet nämlich, dass wir dabei sind zu laufen, anstatt in einer Ecke zu sitzen, zu ängstlich, um es überhaupt zu versuchen, weil wir es vielleicht nicht sofort hinbekommen.

Ich wünsche mir, dass wir uns das Laufen und das Stolpern gestatten, dass wir uns einen Keks freuen, wenn es richtig gut läuft und dass wir uns (selbst und einander!) ermutigen, wenn wir mal wieder gestoplert sind.

PS: Die spirituelle Meisterin und Feuerschamanin Fe San gerade hat eine Video-Botschaft zum Thema Erfolg veröffentlicht, die ich sehr inspirierend finde. Sie erklärt nämlich u. a. sehr schön, wie die Bewertung unseres Tuns mit unserem Erfolg zusammenhängt:

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