Warum du mit der Form anfangen solltest (und NICHT mit dem Inhalt)

Veröffentlicht von SarineTurhede am

Form und Inhalt gleich Sichtbarkeit

„Es bringt nichts, mit der Form anzufangen, wenn der Inhalt noch nicht da ist.“

Hast du diesen Satz schonmal gehört? Oder ihn selber ausgesprochen? Ist dir eigentlich klar, was für ein Unsinn das ist?

Na gut: Es klingt erstmal einleuchtend. Schließlich ist Form OHNE Inhalt einfach nur eine leere Hülle. Es ist der Quatsch, von dem die Welt schon voll genug ist: schöner Schein, aber leider nichts drin im Paket.

Aber: wer sagt, dass automatisch ein leeres Paket dabei herauskommt, wenn du dich mit deiner Ausdrucksform beschäftigst?

Die Wahrheit ist: Wenn du dich mit deiner Ausdrucksform beschäftigst – sei es dein Klamottenstil, deine Einrichtung oder deine Kommunikationsform für dein Business – dann kommt dabei das heraus, was deinem Inhalt, deinem Wesen entspricht. Es geht gar nicht anders.

Denn in Wahrheit sind Form und Inhalt nicht zwei getrennte Bereiche, die man irgendwie zusammenbappt.

Ein Inhalt kann nur in einer Form zum Ausdruck kommen. Inhalt ohne Form, bzw., Inhalt in einer Form, die ihm nicht entspricht, wird nicht sichtbar oder verständlich. Und eine Form, die nicht mit Inhalt gefüllt ist, bleibt eine leere Hülle.

Sichtbarer Ausdruck ist eben keine Frage von entweder/oder, sondern es braucht beides – und zwar gleichzeitig.

Oder als Bild ausgedrückt:

Form UND Inhalt gleich Sichtbarkeit

Sichtbarkeit oder lebendiger Ausdruck entsteht dort, wo Form und Inhalt einander entsprechen.

Woher kommt also die Idee, dass der Inhalt zuerst da sein muss, dass es sinnlos ist, mit der Form anzufangen?

Achtung, jetzt wird’s philosophisch:

Die Behauptung, dass zuerst der Inhalt da sein muss, kommt von der Vorstellung, dass der Inhalt noch nicht da ist. Dass er etwas ist, was wir erschaffen. Aber die Wahrheit ist: der Inhalt ist in jedem Augenblick bereits da.

Wir sind ständig Ausdruck unseres Wesens

Auch wenn wir uns selbst meist nicht so deutlich umrissen wahrnehmen können wie andere. Und: somit ist alles, was durch uns in die Welt kommt – also z. B. die Inhalte unseres Business, unsere Mission, unsere Botschaft – auch zu jedem Zeitpunkt vorhanden.

Hast du das Gefühl du bist kurz vorm Durchbruch? Dass es bei dir jeden Moment losgeht, aber ein Puzzleteil fehlt noch?

Hat es einen Umbruch in deinem Leben gegeben? Funktioniert das, was du bisher gelebt hast nicht mehr? Das Neue ist fast greifbar, aber eben noch nicht so ganz? Spürst du keine rechte Lebendigkeit mehr in dem, was du bisher beruflich gemacht hast, aber der nächste Schritt ist noch nicht ganz dran?

Kenne ich.

Und ich kann dir versichern: es liegt nicht daran, dass dein Wesen und/oder deine Inhalte sich geändert haben, oder gar nicht mehr intakt sind. Es ist deine alte Form, die nicht mehr zu dir passt.

Warum ich mir da so sicher bin? Weil mein Leben nicht seit kurzem genauso ist, sondern schon immer. Es ist ein Zyklus von Ausdruck – Umbruch – neuer Ausdruck.

Das, was ich gerade in der Welt beobachte, was viele Menschen ratlos macht, ist für mich normal.

Das beste Beispiel ist meine Selbständigkeit: ja, meine Arbeit als Kreative ist aus meinem Wesen geboren. Aber: sämtliche Dienstleistungen, die ich anbiete sind daraus entstanden, dass ich mich getraut habe, mit Formen zu spielen, ohne im Vorfeld genau zu wissen, was dabei herauskommt.

Beispiel aus dem Leben #1: Ich habe nie bewusst darauf hingearbeitet, Fotografin zu werden.

Ich habe gebloggt und wollte andere an meiner Reise teilhaben lassen. Als ich mich eines Tages endlich traute, auch mal Menschen zu fotografieren und dann einfach einen Blogartikel mit den Bildern veröffentlichte (ohne die Personen vorher zu fragen auch noch! *Schluck*) – da kamen dann plötzlich Anfragen, ob ich denn Porträtfotografie anbiete. Ja, klar, sagt ich! Dann bin ich jetzt also Fotografin.

Da erinnerte ich mich: das war irgendwann mal ein Traum von mir gewesen. Den ich mir nicht zugetraut hatte. Denn: ich habe keine „richtige“ Ausbildung als Fotografin. So dachte ich damals jedenfalls. Dass ich schon immer ein gutes Auge, Sinn für Ästethik und, ach ja: einen Filmkurs an der Uni vorzuweisen hatte, zählte in meinem Bewusstsein damals nicht.

Wo versagst du dir einen Traum, weil du eine Vorstellung davon hast, wer du sein müsstest, um ihn leben zu dürfen?

Und das wichtigste: bei meiner Fotografie kommt es weniger auf die Technik an als auf meine Fähigkeit, Menschen dazu zu bringen, sich vor der Kamera zu entspannen. Aber das hätte ich alles niemals herausgefunden, wenn ich mich nicht einfach irgendwann mal getraut hätte, Menschen zu fotografieren. Und meine Bilder zu zeigen, anstatt sie heimlich in der Schublade verschwinden zu lassen!

Beispiel aus dem Leben #2: Ich habe auch nie bewusst darauf hingearbeitet, Webseitengestaltung anzubieten.

Ich habe einfach immer gerne meine eigenen Blogs schön gemacht. Als ich mich selbständig machte, wusste ich, ich brauche jetzt eine Seite, die nicht nur mein privater Blog ist, sondern vor allem eine Visitenkarte und ein Portfolio für meine Arbeit. Dabei war mir eines wichtig: ich wollte mich nicht verzetteln und vor lauter Perfektionismus ein Ewigkeitsprojekt aus der Webseite machen.

Klar sollte sie mir gefallen, aber ich war gerade inspiriert von einer Amerikanerin, die ganz tolle Tiny Houses baute und dann auf airbnb vermietete – und die eine ganz grottige Webseite hatte. Das hat mir bewusst gemacht: halte dir immer vor Augen, worum es eigentlich geht.

Wenn das, was du tust, gut ist, dann können die Menschen das erkennen, auch wenn die Verpackung nicht perfekt ist.

Mit dieser Einstellung habe ich mir also innerhalb von zwei Wochen eine Webseite gemacht. Und was ist dann passiert? Als ich sie veröffentlichte, kam plötzlich die Anfrage, ob ich denn auch Webseiten gestalte.

Das, was wir selbst für unausgereift bis ganz passabel halten, kommt im Außen meist viel besser rüber. Und nicht, weil die anderen Idioten sind, die keine Ahnung haben, was gut ist – sondern weil es viel weniger braucht um richtig gut zu sein, als wir uns oft vorstellen.

Wo zögerst du, dich mit etwas zu zeigen, weil es in deinen Augen noch nicht gut genug ist?

Das war vor zwei Jahren. Inzwischen bin ich weniger davon gesteuert, dass andere etwas in mir erkennen, was für mich unsichtbar ist. Ich überlege mir selber, worauf ich Lust hätte, und wie das für andere nützlich sein könnte. Ich mache selber Angebote – aber ich bin immer noch offen dafür, dass daraus etwas Neues entsteht.

Beispiel aus dem Leben #3: Die Idee, ein 6-monatiges Webseiten-Begleit-Programm für eine Gruppe anzubieten.

War aus einer Beobachtung bei meinen Webseiten-Workshops geboren. Und zwar dass in Gruppen die einzelnen TeilnehmerInnen nicht nur von meinem Wissen und meiner Anleitung profitieren, sondern auch untereinander. Gleichzeitig konnte ich so einen günstigeren Preis machen, als wenn ich jede Person einzeln begleitet hätte. So weit die Theorie.

In der Praxis kam auch hier wieder etwas ganz anderes dabei heraus: eine Frau meldete sich bei mir und ich dachte „Ah, eine Teilnehmerin für das Gruppenprogramm“. Beim Gespräch stellte sich dann heraus, dass Gruppen nicht so ihr Ding waren, dass sie aber überhaupt kein Problem damit hatte, mir für eine Einzelbegleitung einen höheren Preis zu zahlen.

Diese Zusammenarbeit wäre nie zustande gekommen, wenn ich verbohrt gewesen wäre und nur auf der Suche nach TeilnehmerInnen für mein Gruppen-Programm.

Und außerdem wurde mir noch eines klar: Gruppen sind auch (noch) nicht so mein Ding. Also, in Workshops schon, aber längerfristige Begleitungen mache ich bisher am liebsten 1:1. Ich bin offen dafür, dass sich das irgendwann ändern wird. Aber jetzt ist es eben so. Eine „gute Idee“ bringt eben nichts, wenn sie nicht JETZT 100% zu uns passt.

Wenn nichts in der Zukunft eine Rolle spielen würde – worauf hättest du dann JETZT Lust?

Wieder etwas, was ich nie hätte erkennen können, wenn ich gezögert hätte, mich mit meinem Angebot zu zeigen, weil irgendein Gefühl mir gesagt hätte „Hier stimmt etwas nicht“. Es ist letztlich die Handlung und die Auswertung der Ergebnisse, die uns die wertvollen Lernerfahrungen und Erkenntnisse beschert. Auf denen bauen wir dann die nächste Aktion aus, usw.

So. Jetzt habe ich ziemlich viel geschrieben. Wie immer. Und wie immer spukt der Satz im Kopf rum

„Du musst das kürzen, das liest keiner!“

Aber inzwischen weiß ich: das gehört zu meinem Wesen und zu meiner Form. Lange Texte. Dinge im Detail ausführen. In die Tiefe gehen, eben. Etwas anderes interessiert mich nicht.

Wenn du eine Aufmerksamkeitsspanne hast, die nur fürs Scrollen geeignet ist und dafür, den ganzen Tag lang tausend kurze Mitteilungen zu überfliegen, anstatt einen Artikel zu lesen – na, dann gehörst du sowieso nicht zu den Menschen, für die ich schreibe. Dann hast du das hier auch nicht gelesen.

Wenn du weißt – oder auch nur den Verdacht hast – dass die einzige Regel für Kommunikation ist, dass sie lebendig sein muss, dass sie dir entsprechen muss und nicht irgendwelchen Vorstellungen davon, wie man etwas zu sagen/schreiben/posten hat, dann bist du eine/r von denen, für die ich schreibe. Und mit denen ich gerne zusammen arbeite.

Wenn du hier gelandet bist, weil dich das Thema mit Inhaltsfindung und Form beschäftigt.

Wenn du gerade keine Ahnung hast, was eigentlich deine Inhalte sind.

Wenn du spürst, dass das, was ich hier beschrieben habe nicht „Zufall“ ist, oder nur für mich funktioniert.

Na, dann erlaube es dir, mit deiner Form anzufangen.

Welche Art der Kommunikation macht dir Spaß? Wie würdest du deine Webseite gestalten? Welche Schriften gefallen dir? Welche Farben? Alles Elemente für eine Webseite, für die man keinen Peil von Inhalt haben muss. Wenn du dich so richtig schön spielerisch auf deine Form einlässt, kann es dir glatt passieren, dass du darin deinen Inhalt findest. Ist ja die ganze Zeit schon da. Will nur ausgepackt werden.

Erlaube dir, deine Inhalte über die Form zu finden.

Anstatt dich zu tode zu perfektionieren:

Trau dich, lebendig zu kommunizieren.

Das wünscht dir (und mir und überhaupt)

Sarine

PS: Ich unterstütze dich gerne auf deinem Weg zum lebendigen Ausdruck. Mit persönlicher Kommunikations-Beratung, Webseitengestaltung und Porträtfotografie. Schreib mir einfach an hallo@sarineturhede.com und erzähl mir von deinem Anliegen.

Mehr zum Thema Sichtbarkeit & dem Unfertig-Gefühl:

Von der Bereitschaft uns unfertig zu zeigen.

Was du unbedingt auch lesen solltest, wenn du dich motivieren möchtest, die Dinge einfach anzugehen, anstatt auf bessere Umstände (oder eine bessere Version von dir) zu warten:

Big Magic – Elisabeth Gilbert – Buch über Kreativität

Schreibsuchti.de – Walter Epp – Blog übers Bloggen



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.